Dem Wandersmann gehört die Welt

1. Dem Wandersmann gehört die Welt
mit allen ihren Weiten,
weil er kann über Tal und Berg
so wohlgemut hinschreiten.
Die Felder sind wohl angebaut
für Andre und von Andern,
ihm aber, der sie sich beschaut
gehören sie beim Wandern.

2. Der Regen und der Sonnenschein
sind meine zwei Gesellen,
die einer hinterm andern drein
abwechselnd ein sich stellen.
Der Regen löscht der Straße Staub,
die Sonne macht sie trocken,
daneben wollen Gras und Laub
sie aus dem Boden locken.

3. Und wo ein Dorf entgegen tritt,
da hör ich Glöckchen läuten.
Die meinen selber mich damit,
was könnt' es sonst bedeuten?
Sie läuten etwa einer Braut
vielleicht auch einem Toten.
Ich aber zieh auf mich den Laut
ein Gruß wird mir geboten.

4. Da zieh ich froh und mit Gesang
entlang die lange Straße
und nie wird mir um etwas bang
was ich im Rücken lasse.
Wie eines hinter mir entweicht,
so kommt gleich her das andre
und nie hab ich das End erreicht
der Welt, so weit ich wandre.

Autor: Friedrich Rückert
 

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